Moore, Torf & Klima

Image by Maksim Shutov

Moore speichern etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen. Doch noch immer werden Moore trockengelegt, was zu einer enormen Freisetzung von CO2 führt. Torf aus diesen Mooren landet oft ungewollt im Einkaufswagen.

Was sind Moore ?

 

Moore sind Feuchtgebiete, die am Ende der Eiszeit entstanden sind.

Sie bestehen zu 95% aus Wasser und zu 5% aus toten und wegen fehlendem Sauerstoff nicht oder unvollständig zersetzten Pflanzen. In diesen Pflanzen ist der gesamte Kohlenstoff gespeichert, den sie während ihres Lebens gesammelt haben.

3-4% der Fläche auf dieser Welt sind Moore. Trotz des geringen Flächenanteils speichern sie jedoch doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen.

 

Moore sind von großer Bedeutung für die Biodiversität, den Vogelzug, als Süßwasser-Speicher sowie als Filter von Schadstoffen. Darüber hinaus spielen sie eine sehr große Rolle für unser Klima – sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne, wie im Folgenden näher dargestellt wird. Auch sind intakte Feuchtgebiete der beste Schutz gegen Überschwemmungen und Dürren.

 

 

Moore & Klima

 

Moore sind die platzsparendsten Langzeitspeicher für Kohlenstoff in der Biosphäre unseres Planeten. Sie machen 3% der Fläche dieser Welt aus, speichern aber (je nach Quelle) zwischen 600 und 1000 Gigatonnen CO2 - das ist etwa doppelt soviel wie alle Wälder der Erde zusammen!

 

Trotz dieser Tatsachen werden diese wertvollen Biotope überall auf der Welt zerstört.

Die Gründe: Schaffung von Flächen für die Intensiv-Landwirtschaft und Wirtschaftswälder durch Entwässerung. Zudem ist Torf ist ein wichtiger Rohstoff für den Garten- und Landschaftsbau.

 

Seit 1750 haben wir in Deutschland 95 % der ursprünglich 1,8 Millionen Hektar umfassenden Moore zerstört. Die EU ist derzeit auf Platz 2 des Torfabbaus, Russland auf Platz 3 und Indonesien auf Platz 1.

„Zehn Millionen Kubikmeter Torf werden in Deutschland jährlich verbraucht, etwa zweieinhalb Millionen davon an deutsche Freizeitgärtner verkauft. Diese Menge in 50 L-Gartenerde-Säcke verpackt und hintereinander ausgelegt ergäbe eine Gesamtlänge von ca. 40.000 km, das entspricht einer kompletten Umrundung der Erde entlang des Äquators!“

Quelle: bund-naturschutz.de

Wenn beim Trockenlegen der Moore, beim Abbau von Torf und beim Beackern der trockengelegten Flächen der Kohlenstoff in den Mooren mit Sauerstoff in Verbindung kommt, werden aus jeder Tonne gespeichertem Kohlenstoff 3,7t CO2 - aus einem Kohlenstoffspeicher wird eine CO2-Quelle. Veranschaulicht bedeutet dies: Jeder Hektar setzt pro Jahr etwa 37 Tonnen CO2 frei - so viel wie ein Mittelklassewagen auf 185.000 Kilometern.

Obwohl bisher noch 85% der weltweiten Moorflächen weitgehend intakt sind, werden auf den bislang entwässerten Mooren, die nur 0,4 Prozent der Landoberfläche ausmachen, bereits jetzt jährlich 2 Gigatonnen CO2 freigesetzt.

In Deutschland stammen 5% aller CO2-Emissionen aus ehemaligen Mooren, und damit mehr als wir durch alle Windräder einsparen können. Weltweit sind es sogar 6-7% der gesamten CO2-Emissionen, was ungefähr dem Doppelten des weltweiten Flugverkehrs entspricht - pro Jahr(!).

 

Außerdem entsteht Lachgas (N20) - ein Gas, das dreihundertmal klimaschädlicher ist als CO2.

Ein Teufelskreis wird in Gang gesetzt: die ausgetrockneten Moore setzen Klimagase frei - diese heizen den Klimawandel an - dadurch werden Dürreperioden häufiger, in denen die Moore noch mehr austrocknen....

Darüber hinaus besteht die große Gefahr, dass die trockenen Moore in Brand geraten, was wiederum hochgradig klimaschädlich ist. Dieser sog. Moorbrand ist sehr schwer zu löschen, weil der Torf unterirdisch weiter brennt.

 

Nach aktuellen, noch nicht endgültig gesicherten Schätzungen, sind entwässerte Torfböden einschließlich Torffeuern etc. daher noch für einen erheblich höheren Anteil – bis zu 30 Prozent – der weltweiten vom Menschen gemachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.³

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Du möchstest gleich selbst aktiv werden?

 

Informiere Dich unten, wo in Hall du torffreie Erde kaufen kannst oder  mische Deine Pflanzerde ganz einfach selbst . Tauscht im Austausch-Forum Eure Erfahrungen oder Fragen aus, und tauscht im Tauschforum torffreie Jungpflanzen – von Tomaten-Jungpflanzen bis zu Staudenablegern.

Du gärtnerst bereits torffrei? Trage hier Deinen Garten in die Nabu-Karte ein. Darüber hinaus kannst Du Moorschutz mitfinanzieren, so dass Moore wiederbelebt werden können: Erwerbe ein MoorFuture-Zertifikat – Kosten ab 8,5 Euro – und spare 100kg bis 1 Tonne (für 64€) CO2 über einen garantierten Zeitraum von 50 Jahren ein. Oder werde Moorpate (ab 8€).

Moore & Politik

 

Der Ertrag der landwirtschaftlichen Nutzung dieser Flächen ist so gering, dass sie nur durch hohe Subventionen einen Nutzen für die Landwirte bringen. Klimaschädliches Bearbeiten von Mooren wird sogar noch belohnt: Europäische Landwirte erhalten jährlich insgesamt mehr als eine Milliarde Euro Direktzahlungen dafür, dass sie entwässerte Moorböden als Viehweiden oder, noch schädlicher, als Ackerland nutzen – etwa für den Anbau von Mais. Biogas oder –sprit aus Mais auf Moorgrund hat eine um ein Vielfaches schlechtere Klimabilanz als das Verbrennen von Braunkohle.

Eine Landnutzungsalternative ist nach einer Wiedervernässung der Böden die Paludikultur, eine klimaschonende Land- und Forstwirtschaft auf nassem Moorboden.

Im Gegensatz zur entwässerungsbasierten Bewirtschaftung der Moore werden in Paludikultur an hohe Wasserstände angepasste Pflanzenarten wie Schilf, Rohrkolben und Torfmoose kultiviert und einer Verwertung zugeführt. Diverse etablierte Verfahren ermöglichen die Verarbeitung zu ökologischen Dämm-, Bau- und Torfersatzstoffen sowie Bioraffinerie-Produkten, die energetische Verwertung als (Fest-)Brennstoff. Die Palludikultur ist bislang aber nicht förderwürdig und ein Landwirt verliert damit die Flächenprämie von 300 Euro pro Hektar, die ihm nach den Richtlinien der EU-Agrarpolitik zusteht.(4)

 

Das Erreichen der im Pariser Abkommen vereinbarten Ziele und eine dauerhafte Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen ist nur durch eine Wiedervernässung der Moorflächen möglich.

Um den Schutz der verbliebenen intakten Moore sowie die Renaturierung von degradierten Mooren entschieden voranzutreiben, enthält der Koalitionsvertrag den Auftrag, eine Moorschutzstrategie der Bundesregierung zu erarbeiten und erste Maßnahmen noch in dieser Legislaturperiode durchzusetzen.

 

Moore & wir

 

Herkömmliche Garten- und Blumenerde besteht bis zu 90% aus Torf. Um Garten- und Blumenerde zu gewinnen, werden in Deutschland bis heute jährlich 6,5 Millionen Tonnen Torf aus den Mooren in Niedersachsen abgebaut, zusätzlich dazu 2,5 Millionen aus dem Baltikum importiert.

 

Viele Hobbygärtner füllen ihre Blumenkästen und Hochbeete mit torfhaltiger Erde und tragen damit unwissentlich dazu bei, wertvolle Biotope, Wasser- und Kohlenstoffspeicher zu zerstören. Mit den meisten Topfpflanzen und Setzlingen kaufen wir Torf ein, und unser Gemüse ist oft in Gewächshäusern auf torfhaltigem Boden gewachsen.

Dabei ist Torf als Substrat für Balkon & Garten sogar weniger gut geeignet als Gartenerde, Kompost & Co:

  1. Torf ist ein guter Wasserspeicher - aber nur solange er nie austrocknet. Einmal trocken rinnt das Wasser an ihm vorbei und steht den Pflanzen nicht mehr zur Verfügung.

  2. Torf saugt sich so voll Wasser, dass die Wurzeln zu wenig Luft erhalten

  3. Torf enthält praktisch keine Nährstoffe und wirkt der Humusbildung entgegen

  4. Torf führt zu einer ungünstigen Verschiebung des Boden-pH-Wertes

Was können wir tun?

 

Beim Einkauf von Pflanzerde auf als "torffrei" deklarierte Produkte achten. Du findest im Geschäft keine Erde ohne Torf? Einfach nach Erde ohne Torf fragen – die Nachfrage bestimmt das Angebot :)! Doch ist das Angebot an torffreier Erde in Hall mittlerweile zum Glück groß - wir müssen nur zugreifen!

Auf manchen torfhaltigen Produkten wird der Torfgehalt im Kleingedruckten auf der Rückseite ausgewiesen, bei vielen ist dies jedoch nicht der Fall. Diese Produkte enthalten in der Regel Hochmoortorf. Gleiches gilt für „torfreduzierte“ oder „torfarme“ Erden, diese können bis zu 80 Prozent aus Torf bestehen.

Genaues Hinschauen gilt auch bei „Bio“-Erden – der Begriff „Bio“ ist für Blumenerde nicht geschützt und wird von einigen Herstellern als grünes Deckmäntelchen missbraucht.

                    Diese Übersicht über torffreie Erden in den Haller Märkten

                    kann Euch den Einkauf erleichtern :)!

 

Bei der BAG Hohenlohe werden ab sofort torffreie Erden auch auf dem Schild als solche deklariert.

 

Ihr habt weitere Marken gefunden, die torffreie Erde produzieren bzw. Läden in oder um Hall herum, die welche verkaufen? Dann freuen wir uns über Eure Hinweise (bitte über das Kontaktformular) und werden Eure Tipps gerne mit aufnehmen!

Torfreduziertes Gemüse rund um Hall

 

Grundsätzlich wird auf Äckern kein Torf verwendet. Problematisch ist hingegen die Jungpflanzenaufzucht. Hierfür werden in aller Regel kostengünstige Pressplatten verwendet, die nicht ohne den Einsatz von Torf auskommen, da anderes Substrat nicht ausreichend zusammenhält. Der Einsatz alternativer Methoden ist im Vergleich wesentlich arbeits- und damit kostenintensiver, so dass die Jungpflanzen-Anzucht mit Torf Standard ist.

Im Gegensatz zu diesem Problem für den gewerblichen Anbau erfüllen torffreie Erden für den Privatgebrauch sämtliche Ansprüche!

 

In Schwäbisch Hall und Umgebung haben wir dennoch die Möglichkeit, zumindest Gemüse aus deutlich torfreduziertem Anbau zu erhalten:

 

Solawi Hall

 

Die Solawi zieht sämtliche Pflanzen aus samenfestem Saatgut selbst an. Dabei wird bereits deutlich torfreduziert gearbeitet. So wird nur etwa zur Hälfte in Pressplatten gesät, und beim Umtopfen wird bereits torffreies Substrat verwendet. Ziel ist es, den Torfeinsatz langfristig noch weiter zu reduzieren.

 

Hof Engelhardt, Bioland-Hof Klein-Comburg und weitere Bio-Landwirte


Die Jungpflanzen-Firma Natterer beliefert praktisch alle Bio-Landwirte Süddeutschlands, die nicht selbst anziehen (was fast niemand tut). Auch die Firma Natterer kommt bisher nicht ohne Torf aus, ist jedoch ebenfalls bestmöglich um die Reduktion des Torfeinsatzes bemüht.

Bei Supermarktware hingegen ist davon auszugehen, dass sie unter hohem Preisdruck produziert und damit in Torf gesät wurde.

 

Wie die Jungpflanzen-Anzucht bei weiteren Landwirten der Region abläuft, ist uns leider bislang nicht bekannt – für Hinweise auf weitere Betriebe, die um Torfreduktion bemüht sind, freuen wir uns (bitte hierfür das Kontaktformular verwenden – danke).

torffreie Jungpflanzen für den Garten rund um Hall

In der kleinen Gärtnerei von Karin Öchslen gibt es Duft-, Heil- und Würzkräuter sowie im Frühjahr verschiedene Tomatensortensetzlinge, die nach biologisch-organischen Grundlagen angebaut werden (allerdings ohne Zertifizierung). Sie hat keine festen Öffnungzeiten, da sie im Nebenerwerb betrieben wird. Es gibt einen Ab-Hof-Verkauf, der in der Regel freitags und samstags stattfindet. Am besten ist es, einen Termin vorab auszumachen. Hier findet Ihr die kleine Gärtnerei: Karin Öchslen, Alte Steige 18, 74547 Untermünkeim-Haagen. Terminvereinbarungen sind möglich unter der Telefonnummer: 0791-9464611.

 

Weiterführende Infos und Quellen
 
  1. https://www.swr.de/wissen/sven-ploegers-klimablick/rettet-die-moore-s01-e03-100.html

  2. https://www.youtube.com/watch?v=dpvDkhwjVKE

  3. https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/garten-freizeit/blumenerde

  4. https://www.riffreporter.de/de/umwelt/neue-moore-fuer-naturschutz-klimaschutz

  5. https://www.riffreporter.de/de/umwelt/was-schutz-natur-moore-konkret-tun-tipps

  6. https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/moore

  7. https://life-peat-restore.eu/blog/wie-kann-die-kuenftige-gap-endlich-die-rolle-der-moore-bei-der-eindaemmung-des-klimawandels-anerkennen/

  8. https://www.moorfutures.de/news

  9. https://www.br.de/mediathek/video/kohlenstoff-speicher-moore-als-klimaretter-av:5ff830f49fe80c001379ef2c

  10. https://www.vogelundnatur.de/vogel-lebensraum-moor

  11. https://www.bmu.de/download/2596/


 

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