Zero Waste I - Papier

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Im Regal mit flauschig, supersoft, daunenweich, extra reißfest, 4-lagig und blütenweiß beworben, kaufen wir frisch geholzte Tropenbäume um sie nach wenigen Sekunden Gebrauch mit Trinkwasser die Toilette hinunterzuspülen - das muss nicht sein.

Pro Kopf verbrauchen wir Deutschen pro Jahr 241kg Papier (Stand 2018) - kein anderes Mitglied der G20-Staaten verbraucht so viel Papier, Pappe und Karton. Zwar verbrauchen wir etwas weniger als noch vor 10 Jahren, doch durch zunehmenden online-Versand und die Vermeidung von Plastik als Verpackungsmaterial wird sich dieser Verbrauch in den kommenden Jahren möglicherweise sogar noch weiter erhöhen.

Das meiste davon stammt aus frischen Hölzern - und nicht aus unseren Wäldern. Deutschland muss 80% seines Zellstoffs importieren. Der größte Teil stammt dabei aus Südamerika (Brasilien), gefolgt von Skandinavien und Osteuropa. Es gehört somit zu den wichtigsten Einfuhrnationen und ist damit entscheidend mitverantwortlich für die Auswirkungen in den Herkunftsländern.

Zellstoff für unser Toilettenpapier stammt zum größten Teil aus Urwaldregionen Südamerikas. Nach deren Rodung folgen Eukalytusplantagen für besonders flauschige Fasern - die als "tropenholzfrei" verkauft werden (!). Mit fatalen Folgen für die dort lebenden Menschen, die gewaltsam aus ihrem Lebensraum vertrieben werden und denen mit dem Urwald ihre Lebensgrundlage genommen wird. Mit ihnen verlieren auch zahllose Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum. Das hat sogar Konsequenzen für uns selbst: zahlreiche Ausgangsstoffe für Medikamente stammen beispielsweise aus Urwaldpflanzen. Doch neben diesen Punkten ist der Erhalt des Regenwaldes auch von zentraler Bedeutung für den Klimaschutz - die Bäume stellen eine große CO2-Senke dar, dazu kommt, dass die Böden als Folge CO2 sowie das 20fach klimaschädlichere Methangas abgeben.

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Für feste Fasern für die Papierherstellung wird nord-und osteuropäischer Urwald, der Borealwald, gerodet - auch dort gefolgt von Monokulturen, die nur noch einen Teil des zuvor gespeicherten CO2s kompensieren können. Diese werden in Skandinavien per Kahlschlag geerntet, was verheerende Folgen für Tiere, Pflanzen, Pilze (die in Symbiose mit den Bäumen leben) und Bodenlebewesen hat - leblose Einöde bleibt zurück. 90% der skandinavischen Urwälder sind auf diese Weise bereits verschwunden, zugunsten von Wirtschaftswäldern unter Pestizideinsatz, die den Gesetzen der Forstindustrie folgen. Solche Kulturen binden jedoch auch nur noch ein Drittel CO2 gegenüber den Urwäldern.

 

Auch die Herstellung dieses vermeintlich „reinen“ Naturstoffs ist nicht ohne Probleme. Unter hohem energetischem und chemischem Aufwand wird das Holz auf- und der Zellstoff ausgelöst und gebleicht. Wenn nicht anders auf der Packung angegeben, wird mit halogenorganischen Bleichmitteln behandelt - meist noch im selben Land, da dort die Umweltauflagen nicht so hoch sind.

 

Anders als bei anderen Papieren, die bis zu sieben Mal recycelt werden können, ist Toilettenpapier nach dem einmaligen Gebrauch verloren.

 

Recyclingpapier dagegen

  • verbraucht keinen einzigen Baum

  • spart die Hälfte an Ressourcen

  • spart die Hälfte an Energie

  • spart 2/3 des Wasserverbrauchs*

 

Das gilt auch für Küchenrollen, Taschentücher und den großen Verbrauch an Büropapieren.

Egal ob für Papier, für Viehfutter, für Palmöl, zum Heizen, zum Bauen und für Möbel ,unser Holzhunger ist größer als Bäume auf diesem Globus wachsen können.

Ein Wald ist kein Rohstofflieferant, sondern eine funktionierende Lebensgemeinschaft.

Wir opfern weltweit die letzten Urwälder mit all ihrem Bodenleben und Mitbewohnern unwiederbringlich. Es wird Jahrzehnte und Jahrhunderte dauern um eine ähnliche Menge Kohlenstoff zu binden - diese Zeit haben wir nicht mehr.

Du möchtest gleich selbst aktiv werden?

Lies die folgenden Tipps, wie Du mit ganz einfachen Maßnahmen zahllose Bäume schützen kannst. Nimm an der "Zero Waste"-Challenge teil und tausche Dich mit anderen Challenge-Teilnehmern in Eurer Gruppe aus. Oder tausche Dich ohne Challenge im Forum unter "Zero Waste" mit Menschen aus der Umgebung aus. Besuche während der Fastenzeit die Wanderausstellung "Holz macht Sachen! Holz, Baum, Wald und Du?" im Ritterareal, nimm am Quiz dazu teil und gewinne mit etwas Glück einen ökofairen Preis von Robin Wood - Hauptgewinn ist ein Gutschein über 100€ von dem sehr nachhaltigen Versandhandel memolife.

 

Ganz einfache Tipps zum Sofort-Loslegen

 

1. Kaufe nur noch Toilettenpapier, Küchenrollen, ... aus Recyclingpapier mit dem „blauen Engel“. Nur dieses Siegel garantiert: 100% Altpapier und Schadstoffkontrolle*. Übrigens: alle in Hall erhältlichen Toilettenpapiere wurden von Ökotest mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet. Vorbei sind die Zeiten von grauem, rauem und einlagigem Toilettenpapier, das man aus öffentlichen Einrichtungen kennt. Heute ist es mehrlagig, hell, weich, aber reißfest und optisch ansprechend geprägt oder bedruckt.

Übrigens: In Japan sind längst elektrische Dusch-WCs verbreitet, die eine moderne Kombination aus Toilette und Bidet darstellen. Auch bei uns sind derartige WCs und WC-Brillen erhältlich, mit denen viel Toilettenpapier gespart werden kann. Eine wesentlich kostengünstigere Alternative dazu ist die Podusche. Eine Möglichkeit, Toilettenpapier komplett zu vermeiden, bietet eine Analdusche.

 

2. Kaufe Hefte, Druckerpapier etc. aus Recyclingpapier. „Umweltpapier“ war früher grau, rau, Bleistift war kaum darauf lesbar und es verstopfte den Drucker. Heute ist es für alle Anwendungsgebiete geeignet und in vielen Weißegraden erhältlich. Tipp: Einen Überblick kann man sich z.B. auf den Internetseiten der Fa. Steinbeis (Hersteller) oder memo (Händler) verschaffen.

 

Insgesamt ist das Angebot an Recyclingprodukten in Hall leider bisher gering - doch das können wir ganz leicht ändern! Einfach nachfragen, wenn Ihr nicht fündig werdet - die Händler verkaufen das, von dem sie wissen, dass es die Kundschaft kaufen möchte!

 

  • REWE in der Salinenstraße: hier gibt es schon jetzt eine sehr schöne Auswahl an Recyclingwaren: Ob Toilettenpapier (gleich mehrere zur Auswahl, auch share), Officepapier von Steinbeis und memo (Weißgrad 100), Schulhefte und Blöcke, Küchenrollen oder Taschentücher, alles mit dem „blauen Engel“

  • Kaufland hat zwar keine Auswahl, aber von allem etwas da

  • Müller führt ebenfalls Recyclingware

 

3. Besorge Dir einen Briefkastenaufkleber "Keine Werbung" - z.B. den wunderschönen auf dem Bild oben von Frau Ottilie . Oft wirkt er nicht sofort, oder nicht allein - bringe evtl. mehrere an verschiedenen Seiten an oder ergänze ihn mit einem Aufkleber "Keine kostenlosen Zeitungen" - irgendwann haben es alle Austräger verstanden ;). Was bringt so ein Aufkleber? Er verhindert Unmengen Papiermüll (eindrucksvoller Test: sammele zwei Wochen lang sämtliche Werbeprospekte ;) ). Zudem dienen die Werbeblätter dazu, Bedürfnisse zu wecken, so dass wir z.B. Produkte im Angebot kaufen, die wir eigentlich gar nicht gebraucht hätten, oder die aufgrund billiger Produktion schnell kaputt sind, während hochwertige Ware aus dem Fachgeschäft zwar zunächst teurer, im Endeffekt jedoch preisgünstiger gewesen wäre.

 

4. Vermeide Papierverpackungen um Produkte. Viele regionale Zero-Waste-Tipps erhältst Du im Thema "Zero Waste III - Plastik".

 

5. Ersetze z.B. Küchenrolle oder Abschminkpads durch waschbare Tücher. Sogar Artikel zur Monatshygiene kannst Du durch eine Menstruationstasse ersetzen.

 

6. Überlege, ob eine E-Mail ausgedruckt werden muss! Sehr häufig ist das unnötig.

 

Du interessierst Dich für mehr?

www.abenteuer-regenwald.de bietet jede Menge Infos über Regenwald, Klima, Papier und mehr

 

Auch auf Robinwood.de und er Homepage von Greenpeace findest Du zahlreiche Hintergrundinfos.

 

Das Bundesumweltamt hat hierzu eine informative Broschüre erstellt.

 

Ausstellung im Ritterareal: Wie schon letztes Jahr wird es ab Beginn der Fastenzeit am 17.02. bis zum 14.3. eine kleine Ausstellung zum Thema Wald und Papier im Vorraum des Ritterareals geben. Dazu gibt es von Robin Wood ein Quiz mit ökofairen Gewinnen - Hauptgewinn ist ein 100€-Einkaufs-Gutschein von memolife.

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